Gala-Uniform


Sie sind kleidsam und schick, unser Offizierkorps fühlt sich darin wohl und unsere Karnevalsgesellschaft macht damit einen ausgezeichneten Eindruck in der Öffentlichkeit. Woher stammen aber diese tollen Uniformen, so werden wir immer wieder gefragt. Nun, da müssen wir doch etwas weiter ausholen!

Die im Karneval üblichen Uniformen von Garden oder Traditionskorps stammen fast alle aus der Napoleonischen Zeit oder unmittelbar danach. Es handelt sich um Offiziersuniformen der Landheere jener Zeit und sie unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch Farben und Zubehör. Unsere Gründer wählten einen der Seefahrt verbundenen Vereinsnamen und dabei hat Duisburg mit seinem größten europäischen Binnenhafen und der nahe gelegenen Sechs-Seen-Platte wohl Pate gestanden.

Die ersten Uniformen der damaligen Offiziere unserer KG entsprachen den festlichen Ausgehjacken moderner Seeoffiziere und auch darin konnten sich unsere Uniformierten sehen lassen. Ende der 70-iger Jahre wuchs die Zahl der Aktiven erfreulich an und der damalige Vorstand entschloss sich zu einer Veränderung der Struktur der KG. Eine neue Uniform sollte dazu beitragen, die Truppe zu einem Traditionskorps zusammen zu fassen.

Nun gab es aber, was alte deutsche Marineuniformen angeht, leider keine brauchbaren Vorbilder. So wurde ein umfangreicher Schriftwechsel mit dem deutschen Marinemuseum und der Stammdienststelle der Marine in Wilhelmshaven geführt. Die Vereinsführung erhielt von dort Abzüge und Zeichnungen von Uniformen, Offizierspatenten in Kopie und manche sonstige Darstellung, nur deutsche Uniformen der Marine aus den Anfängen des 19.Jahrhunderts gab es einfach nicht. Es existierte damals zwar das HEILIGE RÖMISCHE REICH DEUTSCHER NATION, aber die Führungsmacht war das kaiserliche Österreich, welches in diesem Verbund als einziger Staat über eine nennenswerte Flotte an Kriegsschiffen im Heimathafen von Triest verfügte. Nach dem Zusammenbruch der Gewaltpolitik Napoleons im Jahre 1815 wurde während des Wiener Kongresses Europa neu geordnet.

Als Nachfolgeorganisation wurde der DEUTSCHE BUND ins Leben gerufen und wiederum war Österreich die Führungsmacht und besaß als einziger Staat in dieser Region eine Kriegsflotte, in der Offiziere und Mannschaften aus aller Herren Länder dienten. Natürlich besaßen auch andere Nationen Kriegsschiffe, wie zum Beispiel die Spanier, Portugiesen, Franzosen, Russen, Schweden und die Dänen, allen voran aber die größte Seemacht der damaligen Welt, nämlich die Engländer. Insofern war England nicht nur Vorbild beim Schiffsbau und der Ausrüstung, sondern zwangsläufig auch bei den Uniformen für Seeoffiziere.

1848 wurde vom ersten demokratisch gewählten, deutschen Parlament der Bau einer eigenen, deutschen Flotte beschlossen. Bereits in den Jahren 1852/53 wurde die Flotte wieder aufgelöst und die Schiffe versteigert. Einen Teil der Schiffe übernahm Preussen und errichtete 1865 in Kiel einen Marinestützpunkt Dieser wurde nach der Reichsgründung 1871 von der kaiserlichen Marine, später von der Reichsmarine und ab 1958 von der Bundesmarine genutzt.

Und nun zurück ins Jahr 1866, zur Schlacht bei Königgräz zwischen Preussen und Österreich.. Die Preussen siegten, der DEUTSCHE BUND wurde aufgelöst und das kaiserliche Österreich betrieb nur noch eigenständige Politik. Erst verhältnismäßig spät gab es also eine rein deutsche Kriegsmarine und damit auch entsprechende Uniformen. Für Karnevalisten, deren Vorlagen von Gardeuniformen in der Regel aus den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts stammen, also viel zu spät!

Wen wundert es also jetzt noch, dass unsere Galauniformen, denen der alten österreichischen Kriegsmarine, verblüffend ähnlich sehen? Wer es nicht glaubt, der sehe sich die folgenden Fotos genau an. Sie stammen aus dem Heeresgeschichtlichen Museum in Wien und jeder Interessierte kann sich in der Marineabteilung die Originaluniformen und das entsprechende Zubehör ansehen. Weitere Informationen und Ergänzungen bietet auch das Internet und der Verfasser wünscht Ihnen viel Spaß und Erfolg bei Ihren eigenen Recherchen.

Ein herzliches Dankeschön an unseren Karnevalsfreund Bertl Hanak, der endlich Licht ins Dunkel brachte. Endlich wissen wir, wo unsere Uniformen herstammen.

                
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